Von Goldmark zu Euro: So funktioniert die Umrechnung
Die Formel ist einfacher als sie klingt: Versicherungssumme = Wert 1914 × Anpassungsfaktor. Der Wert 1914 beschreibt, was der Neubau deines Hauses 1914 in Goldmark gekostet hätte — eine bewusst historische Rechengröße, weil die Baupreise damals zum letzten Mal stabil waren. Der Anpassungsfaktor übersetzt diese Goldmark-Summe Jahr für Jahr in heutige Baukosten; 2026 liegt er bei 27,63.
Der Clou dieser Konstruktion: Dein Wert 1914 bleibt über die Jahre gleich, solange du nicht an- oder umbaust. Steigen die Baupreise, steigt nur der Faktor — und mit ihm automatisch deine Versicherungssumme und dein Beitrag. Das nennt sich gleitender Neuwert: Im Totalschadenfall bekommst du den vollständigen Wiederaufbau zu aktuellen Preisen bezahlt, nicht den Zeitwert deines alten Hauses.
Der wichtigste Satz in deiner Police: Unterversicherungsverzicht
Stimmt der Wert 1914 nicht — etwa weil ein Anbau nie gemeldet wurde —, darfst du die Folgen nicht unterschätzen: Der Versicherer kürzt dann jede Entschädigung anteilig, auch beim kaputten Dach nach dem Sturm. Die Lösung heißt Unterversicherungsverzicht: Ermittelt der Versicherer die Summe selbst nach seinem Verfahren, verzichtet er auf den Einwand der Unterversicherung. Wie du die Versicherungssumme richtig ansetzt und welche Fallstricke es gibt, liest du im Detail in unserem Ratgeber zur Versicherungssumme.
Wann sich der Blick auf die Zahl besonders lohnt
Drei Anlässe, den Wert 1914 zu prüfen: nach Um- oder Anbauten (der Wert muss steigen, sonst droht Unterversicherung), beim Immobilienkauf (die Police des Vorbesitzers passt nicht automatisch) und beim Tarifvergleich — denn nur mit korrektem Wert 1914 vergleichst du Angebote fair. Da die Wohngebäudeversicherung zu den teureren Policen gehört, lohnt der Vergleich hier doppelt.
Häufige Fragen
Warum rechnen Versicherer ausgerechnet mit dem Jahr 1914?
1914 war das letzte Jahr mit stabilen Baupreisen in Goldmark vor Weltkrieg und Inflation — deshalb dient es bis heute als neutraler Fixpunkt. Der Vorteil: Der Wert 1914 deines Hauses bleibt konstant, nur der jährliche Anpassungsfaktor ändert sich. So wächst deine Versicherungssumme automatisch mit den realen Baukosten.
Wie hoch ist der Anpassungsfaktor 2026?
Für 2026 beträgt der Anpassungsfaktor 27,63 (2025: 26,51). Er wird jährlich vom Gesamtverband der Versicherer festgelegt und setzt sich zu 80 Prozent aus dem Baupreisindex für Wohngebäude und zu 20 Prozent aus dem Tariflohnindex für das Baugewerbe zusammen. Ein Wert 1914 von 25.000 Mark entspricht damit rund 691.000 Euro Versicherungssumme.
Wo finde ich den Wert 1914 meines Hauses?
In deinem Versicherungsschein (Police) oder der jährlichen Beitragsrechnung, meist als „Versicherungssumme 1914“ oder „Wert 1914“ ausgewiesen. Findest du ihn nicht, hilft die Schätzung über die Wohnfläche in diesem Rechner — oder der ausführliche Wertermittlungsbogen deines Versicherers.
Was passiert bei einem zu niedrigen Wert 1914?
Dann bist du unterversichert: Im Schadenfall darf der Versicherer die Entschädigung im Verhältnis der Unterdeckung kürzen — auch bei Teilschäden. Deshalb ist der Unterversicherungsverzicht so wichtig: Ermittelt der Versicherer den Wert 1914 selbst (z. B. per Fragebogen) und bestätigt den Verzicht, verzichtet er auf genau diese Kürzung.
Wie genau ist die Schätzung über die Wohnfläche?
Sie ist eine Näherung mit marktüblichen Kennwerten für Einfamilienhäuser (130–160 Mark je m² je nach Ausstattung) und eignet sich zur Plausibilitätsprüfung deiner Police. Zwei- und Mehrfamilienhäuser haben andere Kennwerte, Keller, Anbauten und Sonderausstattung kommen hinzu — die verbindliche Ermittlung macht immer der Versicherer.