Warum du nicht jede Versicherung brauchst – aber ein paar unbedingt
Versicherungsvertreter und Vergleichsportale (auch wir) leben davon, dir Verträge zu erklären. Das heißt aber nicht, dass jeder Vertrag für dich sinnvoll ist. Eine einfache Faustregel hilft bei der Einordnung: Versichere das, was du dir im Ernstfall nicht leisten könntest – und trage selbst, was du notfalls aus der Portokasse oder einem kleinen Notgroschen bezahlen kannst.
Nach dieser Logik gibt es eine Handvoll Versicherungen, die für die meisten Menschen in Deutschland unverzichtbar sind, weil sie existenzielle oder unbegrenzte Risiken abdecken. Und es gibt eine ganze Reihe von Verträgen, die zwar beworben werden, bei denen das Verhältnis von Beitrag zu tatsächlichem Nutzen aber selten überzeugt. Beide Gruppen schauen wir uns im Folgenden konkret an.
Diese 5 Versicherungen braucht wirklich jeder
Nicht jede der folgenden Versicherungen trifft auf jeden zu – die Kfz-Versicherung braucht logischerweise nur, wer ein Auto besitzt. Aber innerhalb der jeweiligen Lebenssituation gehören diese fünf zu den Verträgen, auf die du kaum verzichten solltest.
| Versicherung | Warum wichtig | Besonders relevant für |
|---|---|---|
| Privathaftpflicht | Deckt unbegrenzte Schadenersatzansprüche gegenüber Dritten ab | praktisch jeden Haushalt |
| Berufsunfähigkeitsversicherung | Sichert dein Einkommen, falls du deinen Beruf gesundheitlich nicht mehr ausüben kannst | alle Erwerbstätigen, besonders ohne große Rücklagen |
| Hausratversicherung | Ersetzt Einbruch-, Feuer- und Leitungswasserschäden am Hausrat | Haushalte mit nennenswertem Hausratwert |
| Kfz-Haftpflichtversicherung | Gesetzlich vorgeschrieben, deckt Schäden, die du mit dem Fahrzeug verursachst | alle Fahrzeughalter |
| Auslandsreisekrankenversicherung | Übernimmt Behandlungskosten im Ausland, die die gesetzliche Kasse oft nicht oder nur teilweise trägt | alle, die regelmäßig verreisen |
Die Privathaftpflichtversicherung verdient dabei einen Sonderplatz: Sie ist die einzige Versicherung auf dieser Liste, deren Risiko theoretisch nach oben offen ist. Ein unachtsamer Moment – die Tür fällt zu, das Fahrrad kippt gegen ein teures Auto, das Kind eines Freundes stürzt auf deinem Grundstück – kann Schadenersatzforderungen auslösen, die ein normales Einkommen und Vermögen weit übersteigen. Die Beiträge liegen dagegen meist bei wenigen Euro im Monat.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird gerne unterschätzt, weil das Risiko abstrakt wirkt. Tatsächlich scheidet ein relevanter Teil der Erwerbstätigen im Laufe des Berufslebens gesundheitlich bedingt aus dem Job aus – psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Skeletts und Bewegungsapparats gehören zu den häufigsten Gründen. Ohne privaten BU-Schutz bleibt oft nur die Erwerbsminderungsrente, die für viele Berufe und Gehaltsstufen deutlich unter dem bisherigen Einkommen liegt.
Bei der Hausratversicherung entscheidet der Wert deines Besitzes: Wer nach einem Wohnungsbrand oder Einbruch mehrere zehntausend Euro aus eigener Tasche ersetzen müsste, ist gut beraten, dieses Risiko auf einen Versicherer zu übertragen. Die Kfz-Haftpflicht ist ohnehin gesetzlich vorgeschrieben – hier lohnt sich vor allem der Vergleich, weil die Beiträge für vergleichbare Leistungen zwischen Anbietern beispielhaft um mehrere hundert Euro im Jahr auseinanderliegen können.
Die Auslandsreisekrankenversicherung wird häufig vergessen, dabei zahlt die gesetzliche Krankenversicherung außerhalb der EU oft gar nicht und selbst innerhalb Europas meist nur die Sätze, die im Behandlungsland üblich sind – ein teurer Klinikaufenthalt in den USA oder ein Rücktransport nach einem Unfall können sonst schnell existenzbedrohend werden.
Diese Versicherungen sind für die meisten Menschen überflüssig
Auf der anderen Seite gibt es Versicherungen, die zwar häufig an der Kasse, im Elektronikmarkt oder am Telefon angeboten werden, deren Nutzen für den Durchschnittshaushalt aber meist begrenzt ist:
- Handyversicherung: Die Beiträge summieren sich über die Vertragslaufzeit oft auf einen erheblichen Teil des Gerätewerts, während Selbstbeteiligungen und Ausschlüsse (etwa bei grober Fahrlässigkeit) den Leistungsfall einschränken. Wer regelmäßig Rücklagen für ein neues Gerät bildet, fährt meist günstiger.
- Brillenversicherung: Ähnliches Prinzip: Die Beitragssumme über mehrere Jahre übersteigt häufig die Kosten einer neuen Brille, zumal viele Kassenzusatzversicherungen oder Optiker-Rabatte einen Teil der Kosten ohnehin abfedern.
- Sterbegeldversicherung: Sie ist im Kern ein teurer Spar- beziehungsweise Kapitalbildungsvertrag mit meist schlechter Rendite. Wer für die Bestattungskosten vorsorgen möchte, kommt mit einem separaten Sparplan häufig günstiger und flexibler weg.
- Glasversicherung: Viele Schäden an Fensterscheiben sind bereits über die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung mitversichert oder lassen sich dort als Baustein ergänzen – eine separate Glasversicherung ist dann eine teure Doppelung.
Das heißt nicht, dass diese Verträge grundsätzlich wertlos sind. Wer beispielsweise ein sehr teures Smartphone ohne jede Rücklage kauft, kann im Einzelfall von einer Zusatzversicherung profitieren. Als pauschale Empfehlung für den Durchschnittshaushalt überzeugen sie aber selten.
Anzeige
Haftpflicht ab wenigen Euro im MonatDie wichtigste freiwillige Versicherung — jetzt Tarife vergleichen.
Private Haftpflichtversicherung vergleichenSo prüfst du deinen eigenen Versicherungsschutz
- Risiken auflisten: Schreib auf, welche Schäden dich finanziell wirklich hart treffen würden – existenzbedrohende Haftungsfälle, Berufsunfähigkeit, Totalschaden am Hausrat oder Fahrzeug.
- Bestehenden Schutz abgleichen: Prüfe deine aktuellen Policen: Sind die genannten Risiken abgedeckt, und passen Deckungssummen sowie Selbstbeteiligung noch zu deiner Lebenssituation?
- Lücken schließen: Fehlt eine der fünf zentralen Versicherungen, hol dir einen unabhängigen Vergleich ein, statt den erstbesten Tarif eines einzelnen Anbieters abzuschließen.
- Unnötiges kündigen: Prüfe im Gegenzug Zusatzverträge wie Handy-, Brillen- oder Glasversicherung kritisch und kündige, was in keinem sinnvollen Verhältnis zu Beitrag und Risiko steht.
- Regelmäßig aktualisieren: Lebensveränderungen wie Umzug, neuer Job, Familienzuwachs oder ein neues Auto sind gute Anlässe, den gesamten Versicherungsschutz einmal komplett durchzugehen.
Am Ende geht es nicht darum, möglichst viele oder möglichst wenige Versicherungen zu haben, sondern die richtigen. Wer die existenziellen Risiken – allen voran Haftpflicht und Berufsunfähigkeit – solide absichert und sich bei kleinen, gut planbaren Risiken zurückhält, hat in aller Regel den besten Kompromiss aus Sicherheit und Kosten gefunden.
Häufige Fragen
Brauche ich wirklich eine Berufsunfähigkeitsversicherung, auch als Berufseinsteiger?
Ja, tendenziell sogar besonders früh, weil die Beiträge dann meist niedriger sind und die Gesundheitsfragen leichter zu beantworten sind. Ohne BU-Schutz drohst du bei einer Erwerbsminderung auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein, die für viele Berufstätige nicht annähernd das gewohnte Einkommen ersetzen.
Ist eine Hausratversicherung für Mieter überhaupt notwendig?
Das hängt vom Wert deines Hausrats und deiner persönlichen Risikobereitschaft ab. Wer hochwertige Möbel, Technik oder Wertgegenstände besitzt und im Schadenfall nicht mehrere tausend Euro aus eigener Tasche ersetzen möchte, ist mit einer Hausratversicherung meist gut beraten. Bei sehr überschaubarem Hausrat lässt sich das Risiko auch bewusst selbst tragen.
Warum gilt die Privathaftpflicht als wichtigste Versicherung überhaupt?
Weil sie vor einem Risiko schützt, das theoretisch unbegrenzt ist: Verursachst du bei jemand anderem einen Personen- oder Sachschaden, haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten Vermögen – ein Leben lang, notfalls über eine Lohnpfändung. Die Beiträge liegen dagegen bei wenigen Euro im Monat, das Verhältnis von Risiko zu Kosten ist bei kaum einer anderen Versicherung so eindeutig.
Lohnt sich eine Glas- oder Handyversicherung nicht doch in Einzelfällen?
In Ausnahmefällen ja – etwa bei einem sehr teuren Neugerät ohne Selbstbeteiligungsschutz durch die Kreditkarte oder bei einer denkmalgeschützten Fassade mit teuren Sonderverglasungen. Für den Durchschnittshaushalt überwiegen aber meist die Ausschlüsse, Selbstbeteiligungen und Vertragslaufzeiten den tatsächlichen Nutzen.
Was mache ich, wenn ich unsicher bin, welche Versicherungen ich persönlich brauche?
Geh systematisch vor: Liste zuerst die Risiken auf, die dich finanziell existenziell treffen könnten, und prüfe dafür deinen Schutz. Kleinere, gut planbare Kosten kannst du meist aus einem Notgroschen bestreiten statt zu versichern. Im Zweifel hilft ein unabhängiger Vergleich, um Lücken und doppelten Schutz zu erkennen.